Unterwegs in Deutschland

Bad Bayersoien und Umgebung

In der Landschaft zwischen den Flüssen Lech, Ammer und Loisach, dem südlichen Ammersee und dem Südende des Starnberger Sees bis zu den Ammergauer Bergen, liegen Kirchen und Klöster so eng beieinander wie sonst nirgendwo im Lande. Dies erklärt mit wohlwollendem Respekt den Begriff Pfaffenwinkel.

Am Ankunftstag, bei passablem Wetter, könnte man zur Einstimmung einen ca. einstündigen Rundgang um den Soier-See machen, dabei die Landschaft auf sich wirken lassen, Moorblumen bewundern und evtl. im Gasthof  „Zum Weißen Roß“ oder . . . . einkehren.
In den nächsten Tagen bieten sich in unmittelbarer Nähe eine Reihe von Ausflugsfahrten an.

Eine könnte sein:
Über die Echelsbacher Brücke nach Rottenbuch , ein Abstecher  zur Wies, dann nach Steingaden, Ilgen und wenn wir noch mehr sehen wollen, nach Schongau.

Echelsbacher Brücke
Von der Echelsbacher Brücke riskieren wir einen Blick in die Tiefe (72 m) und können an die Strapazen denken, die früher Menschen und Pferde hier auf sich nehmen mußten, als die Brücke noch nicht erbaut war. Steigungen bis 27 % mußten überwunden werden. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich auf der sog. Rottstraße, die über Ettal, Oberammergau, Bayersoien und Steingaden lief, ein reger Handelsverkehr mit Italien.

Rottenbuch
Eine ehemalige Klosterstiftskirche. Die Welfenchronik berichtet, daß sich Eticho im frühen 10. Jahrhundert dorthin zurückgezogen habe, Mönche kommen ließ  und diesen ein kleines Kloster errichtete. Vermutlich ist die Gemeinschaft identisch mit der später beim „Altenmünster“ in Rottenbuch ansässigen, deren Kirche bis zur Säkularisation (1803) existierte. Wenn diese Niederlassung also die Urzelle von Rottenbuch war, woran kaum Zweifel besteht, dann ist Rottenbuch die älteste Klostergründung der Welfen.
Brände zerstörten 1262 und 1362 den ehemals romanischen Bau mit dem für die damaligen Reformklöster  charakteristischen Querschiff. 1439 erstand die Kirche neu, Querschiff und Langhaus wurden gegen 1470 gotisiert, den vorher drei-schiffigen romanischen Chor hatte man abgetragen und als ein-schiffigen spätgotischen Bau neu errichtet. Um 1480 hat die Kirche ihr Aussehen erhalten, das wir mit geringen Veränderungen heute noch  vor uns haben.
Probst Patritius Oswald war unermüdlich darauf bedacht, die Kirche zu verschönern. Am 28. März 1737 beginnt das große Vorhaben.
Fast ausschließlich heimische Meister wurden herangezogen, so als Architekt und Stuckateur der geradezu geniale Wessobrunner Joseph Schmuzer und dessen Sohn Franz Xaver, als Freskanten der vielversprechende Matthäus Günther, der von Peißenberg, den Ammerhöfen, stammte, sowie der Weilheimer Künstler Franz  Xaver Schmädl, der mit der  Herstellung der Altäre beauftragt wurde und besonders beeindruckend ist der ebenfalls von ihm geschaffenen Kanzelevangelisten Lukas.
Im Laufe der Jahrhunderte ging so mancher Stil über die Kirche hinweg, von ehemals romanisch, über gotisch, frühbarock kam nun die neue Stilrichtung, das Rokoko hinzu und der Turm besitzt einen schönen klassizistischen Helm.

Die Wies
Die Wies entstand als Wallfahrtskirche zum „Gegeißelten Heiland“.
In der Wies können wir ein vollendet gelungenes Gesamtkunstwerk, in dem das Rokoko zu einer einmaligen Blüte gereift ist, bewundern.
Dominikus Zimmermann wurde die Planung übertragen und am 10. Juli 1746 erfolgt die Grundsteinlegung durch Probst Herkulan Karg aus Dießen.
Ich sage immer, in der Wieskirche tobten sich die Gebrüder Zimmermann aus.
Dominikus Zimmermann als „Stukkator“ und Marmorierer gehörte als Baumeister zu den genialsten und berühmtesten Künstlern seiner Zeit. Sein Bruder Johann Baptist Zimmermann war einer der gefragtesten Freskomaler und „Stukkatoren“ seiner  Zeit.

Steingaden
Das 1147 gegründete Prämonstratenserkloster hat den heutigen Erholungsort bekannt gemacht, geblieben ist dessen 1176 erbaute Kirche St. Johann Baptist. Von außen noch die ursprüngliche Romanik, ist das Innere im Frühbarock (Chor und Seitenschiffe ab 1660) und Rokoko umgestaltet worden. Auch hier hat Franz Xaver Schmuzer gewirkt, jedoch ist der feine und elegante Stuck im Vergleich zu Rottenbuch sparsam verwendet.

Ilgen
1564 wurde hier eine Pestkapelle unter Abt Joachim Wiedemann von Steingaden erbaut. Das Innere der Kirche besticht durch seinen weiten, hellen Raum und bringt den Geist der nachtridentinischen Zeit vollendet zum Ausdruck. Wollen wir den Spuren des „Stukkators“ und Baumeisters Johann Schmuzer aus Wessobrunn weiter folgen, so können wir hier die Ordnung in dem überquellenden Reichtum und das Verhaltene der kraftvollen Formen bewundern.

Sollten wir noch nicht genügend Kirchen besichtigt haben, können wir unsere Rundfahrt noch nach Schongau fortführen.

Schongau
Die Stadt entstand ab 1225 durch Verlegung des benachbarten heutigen Dorfs Altenstadt, dort erinnert an die einstige Bedeutung noch das Münster St.Michael, einer der eindrucksvollsten romanischen Bauten Altbayerns. An die Blütezeit als mittelalterliche Handelsstadt erinnern die geschlossene Stadtmauer mit ihren Wehrgängen, Türmen und Toren und der Münzschatz im Stadtmuseum. In der Mitte das ehemalige gotische Rathaus, das zugleich dem Warenumschlag als „Ballenhaus“ diente. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde von Dominikus Zimmermann im Rokokostil umgewandelt.

Eine andere Fahrt könnte uns nach Oberammergau – Ettal – Graswangtal – Schloß Linderhof führen.

Oberammergau
Die Heimat der weithin bekannten „Herrgottsschnitzer“ wurde weltberühmt durch sein Passionsspiel. Es geht auf ein Gelübde zurück und wurde 1634 erstmals aufgeführt.
1633 war trotz aller Wachsamkeit die Pest in den Ort gelangt. Die Vorsteher der Gemeinde gelobten daraufhin, alle 10 Jahre die Passsion zu spielen, und siehe da – die Pest verschwand. In der „Passionsspielfreien Zeit“ werden Komödien von Ludwig Thoma, der 1867 in Oberammergau geboren wurde, aufgeführt. Auch im Rahmen der jährlich im Juni in Garmisch-Partenkirchen stattfindenden Richard Strauß-Musiktage werden hier Konzerte gegeben.
Oberammergau ist aber auch wie Mittenwald durch seine Lüftlmalerei geschmückten Häuser bekannt.
Der Begriff  „Lüftlmalerei“ rührt nicht daher, wie vielfach angenommen, daß die Künstler in luftiger Höhe malten, sondern der Name der aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammenden Kunst  hat seinen Namen von einem der Hauptmeister, dem Oberammergauer Franz Seraph Zwinck, der den Beinamen „Lüftlmaler“ erhielt, weil er im Haus einer Familie Lüftl wohnte und wohl bei seiner Arbeit im Freien oft von einem kräftigen „Lüfterl“ umweht worden sein mag. Sein Hauptwerk ist das Pilatushaus.
Wenn’s denn dann noch interessiert, zur Technik: Auf das Mauerwerk wird nasser Kalkmörtel aufgebracht. Auf das entstandene glasige, maromorartige, feuchte Häutchen werden die Farben aufgetragen.

Kloster Ettal
Verglichen mit den großen bedeutenden Klöstern des Mittelalters im altbayerischen Raum ist Ettal relativ spät entstanden. Seinen Ursprung verdankt es dem Herzog von Bayern-München, zugleich römisch-deutschem Kaiser Ludwig IV, genannt der „Baier“, dieser Begriff ursprünglich ein Schimpfwort des dem Kaiser gegnerisch gesinnten Papstes.
Als Gründungs- und Stiftungstag des Klosters gilt der 28. April 1330.
Erst 1700 fand Ettal zu seiner eigentlichen Hochblüte, die Hand in Hand mit dem Aufbrechen der süddeutsch-barocken Hochkultur ging. Nach 1700 gewinnt die Wallfahrt – ihre Wurzeln liegen im späten 15. Jahrhundert – große Ausmaße und 1709 wurde, nachdem in den vorhergehenden Jahren der wirtschaftliche Bereich weitgehend neuorganisiert worden war, eine Schule errichtet, die als sogenannte „Ritterakademie“ eine Zwischenform zwischen Gymnasium und Universität darstellte, für einige Jahrzehnte überregionale Bedeutung erringt.
Als Baumeister und Künstler wirkten maßgeblich am Bau mit, die Architekten Henrico Zuccalli und Joseph Schmuzer. Die Stuckdekoration des Innenhauptraums stammt von den beiden bedeutenden Vertretern der Wessobrunner „Stukkatoren-Schule“ Johann Georg Übelher und Franz Xaver Schmuzer. Der Münchner Bildhauer und „Vater der bayerischen Rokokoplastik“, Johann Baptist Straub, gestaltete das Altarensemble in der Rotunde.

Die Fahrt nach Schloß Linderhof geht durch das malerische Graswangtal.
Hier findet jeden Winter der König-Ludwig-Gedächtnis-Langlauf statt.

Schloß Linderhof
Diese „italienische Villa“ im Rokokostil, 1870 – 1878 in Anlehnung an Trianon in Versailles erbaut, zieht jedes Jahr Tausende von Touristen an. Hier wollte König Ludwig II. die Welt Ludwigs XIV. glorifizieren. Daher begrüßt uns gleich im Vestibül ein Reiterstandbild des französischen Monarchen.
Wir sehen Pracht und Prunk, viel majestätischen Kitsch, finden Märchenbilder des Orients und Szenen aus Wagneropern. Von den zehn Prunkräumen sind besonders sehenswert das Schlafzimmer mit dem Prunkbett und dem venezianischen Lüster mit 108 Kerzen und der Spiegelsaal, in dem durch geschickt gestellte Spiegelwände eine riesige Zimmerflucht vorgetäuscht wird und sicher der bekannteste Raum ist das Speisezimmer, denn hier steht das versenkbare „Tischlein deck dich“.

Soviel Kultur!

Murnau
ist immer einen Ausflug wert , auch bei Regenwetter.
Wir können in das Schloßmuseum, das stets sehr gute Wechselausstellungen zu bieten hat, jedoch auch die Dauerausstellung ist nicht zu verachten. Hinterglasmalerei und Bilder der Künstlerin Gabriele Münter. In Murnau gibt es aber auch das „Russenhaus“, in dem Gabriele Münter Jahre mit Wassily Kandinsky lebte und arbeitete,  zu besichtigen.
Zudem   ist es  nach soviel Stuck und Gold in den Kirchen auch mal schön, nur über die Hauptstraße zu bummeln und den Blick von den Giebelhäusern mit den neubarocken Fassaden, die vom Münchner Architekten Emmanuel von Seidl 1906 gestaltet  wurden, der Mariensäule und Maria Hilf Kirche  auf (und in) die Schaufenster der Geschäfte schweifen zu lassen.
Vermissen wir Gold und Stuck, so brauchen wir nur in die barocke Pfarrkirche St. Nikolaus, die möglicherweise ein Werk Zuccallis ist, abzuschwenken.
Je nach Wetter können wir in Murnau rechts herum oder linksherum fahren.
Es ist überall schön.

Das Murnauer Moos
ist immer eine Wanderung wert, besonders aber im Frühjahr.
Es ist das tiefste (15 m) und das größte (32 km²) Moor am bayerischen Alpenrand und entstand im Verlauf mehrerer Jahrtausende durch Verlandung des Murnauer Sees. Der Sage nach hauste in diesem See ein Drache, dem alljährlich eine Jungfrau geopfert werden mußte. Der Drache ist auch das Wappentier Murnaus. Das Moor bietet Lebensraum für etwa 1000 Pflanzenarten. Darunter finden sich Raritäten, die in anderen Gegenden Deutschlands nicht oder nicht mehr anzutreffen sind, wie Moor-Steinbrech und Moorbinse.
Wir werden sicher zahlreiche Orchideengewächse antreffen.
Der Rundweg ist ca. 12 km lang.
Eine gute Brotzeit gibt es im Anschluß „beim Ähndl“ dicht beim Ramsach-Kircherl.

Wollen wir die andere Richtung von Murnau nehmen, so kommen wir zum Staffelsee, der zu den wärmsten Seen Oberbayerns zählt. Er ist durch viele Buchten gegliedert und hat sieben Inseln. Auch hier bietet sich eine kleine Moorwanderung am See entlang an – bei entsprechendem Wetter kann auch , nach Lust und Laune gebadet werden – wir können jedoch auch wieder ein paar Kirchlein besichtigen.

Seehausen
„Die Pfarrkirche St. Michael  gibt ein herrliches Bild, herrlich ist der ganze Bau, dessen Zwiebelhaube in ihrer schlanken Eleganz besonders gut gelungen ist. So strahlend und feierlich uns die Kirche in ihrem Äußeren und Innern auch erscheint, sie kann mit keinem bedeutenden Meister in Verbindung gebracht werden.“
Soweit der Reiseführer.

Uffing
Die barocke Pfarrkirche St. Agatha wurde von Johann Sebastian Troger mit Deckenfresken und einem guten Hochaltarblatt ausgestattet.
Hier von Uffing aus können wir wiederum eine kleine Wanderung durch das Moor und Vogelparadies antreten. Von hier ist es auch nur noch ein kurzer Heimweg durch eine malerische Landschaft.

Weitere Vorschläge gefällig?
Wie wäre es mit einer Fahrt über Hohenpeißenberg – Peißenberg – Paterzeller-Eibenwald – Wessobrunn?

Hohenpeißenberg
Der  „Bayerische Rigi“ genannt, da er Oberbayern gegen Schwaben „abschottet“ ist besonders bei schönem Wetter einen Abstecher wert, da wir von hier aus einen phantastischen Rundblick haben. Aber nicht nur das.
Eine Wallfahrtskirche mit der Gnadenkapelle steht hier oben auf dem Berg, und wie könnte es anders sein, Josef Schmuzer und Matthäus Günther haben hier gewirkt und Xaver Schmädl hat die Tabernakelengel geschaffen. Die Gnadenkapelle wird als „Rokokojuwel“ bezeichnet und die gestaltenden Künstler sind eben diese drei genannten. Daß Matthäus Günther hier sein Herzblut einbrachte ist nicht verwunderlich, denn er wurde am Nordabhang des Hohenpeißenbergs geboren.
Eine Besonderheit gibt es noch: Bereits 1781 wurde vom Stift in Rottenbuch ein erstes meteorologisches Observatorium in Betrieb genommen, heute gibt es mehrere wissenschaftliche Stationen.
Und eine Schule war hier oben, die armen Schulkinder mußten bei Eis und Schnee den Berg hinauf.

Peißenberg
ist ein langes, wenig ansprechendes  Straßendorf und hatte bis 1971 ein Kohlebergwerk.
Aber – wie könnte es im Pfaffenwinkel anders sein – verfügt auch dieser Markt
über eine Wallfahrtskapelle „Maria Aich“. Der Ursprung ist mit Maria im strahlenden Sonnenglanz verbunden, einem noch spätgotischen Schnitzwerk, das sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Besitze von Peißenberger Bauersleuten befand. Da die Hühner während der Bauzeit für die Kapelle Eier legten, welche mit schönem Sonnenstrahlen gezeichnet waren, fast in der Weise und Form, wie das Bildnis selbst mit Glanz und Strahlen umgeben war, erschallte sogleich von allen Orten der Ruf dieses Wunders. Es verwundert  sicher nicht, wenn auch hier der Baumeister und „Stukkator“, der Wessobrunner Josef Schmuzer zwar spärliche, aber reizvolle Stukkaturen zugestanden werden. Die Fresken stammen von Matthäus Günther, einem „Kind der eigenen Pfarrei“ und der Hochaltar wird dem in Weilheim ansässigen Franz Xaver Schmädl zugeschrieben, den wir vor allem in Rottenbuch bereits kennengelernt haben.

Im Eibenwald in Paterzell,
dem einzigen – oder zumindes größten – in Deutschland  könnten wir wieder einmal einen ca. einstündigen Spaziergang einschieben.

In ein paar Minuten sind wir dann von dort aus mit dem Wagen in

Wessobrunn
Hier war  vom Ende des 15. bis 17.  Jahrhunderts die Kunst zu Hause, von hier zogen die Stuckateure, Kunstschreiner und Maler in die Welt. Es sollen so schätzungsweise 600 gewesen sein. Die bekanntesten Namen sind Üblher, Schmuzer, Rauch, Zöpf und Feichtmayr. Die ganz große Begabung aber war den zwei Wessobrunner Brüdern geschenkt, dazu noch in doppelter Weise: dem Baumeister und Stuckateur Dominikus Zimmermann und seinem Bruder Johann Baptist, genialer Freskomaler und „Stukkator“ zugleich.
Das Klosters Wessobrunn wurde 753 gegründet. Die Überlieferung nennt Bayernherzog Tassilo III. als Stifter der Anlage, die zu den bedeutendsten Benediktiner-Klöstern Oberbayerns zählte.
Am Anfang der Klostergeschichte steht eine Jagdlegende. Bei einer Eberjagd, die Herzog Tassilo III. durchführte, soll sein Jäger Wezzo hier einen dreifachen Quellbrunn entdeckt haben und Tassilo habe von einer Leiter geträumt, auf der die Engel auf- und niederstiegen. Das war für ihn der Anlaß, ein Koster zu gründen (753) und dem Ort den Namen Wezzo-Brunn zu geben. Die Linde, unter der Tassilo seinen Traum gehabt haben soll, ist heute noch hinter der östlichen Klostermauer zu sehen und ein kleiner Spaziergang dorthin tut uns sicher gut. Zudem können wir dann auch feststellen, ob es zutrifft, daß 12 Männer nötig sind, um sie zu umspannen.
Von der Konventanlage und der Klosterkirche ist leider heute nichts mehr zu sehen, es steht  nur noch eine Gedenksäule vom Hochaltar im Pfarrgarten. Von der Großartigkeit der damaligen romanischen Ausstattung zeugt das wunderbare Kruzifix in der Pfarrkirche. Ein Besuch dieser lohnt sich auch, um das Gnadenbild „Mutter der Schönen Liebe“ zu bewundern, und wie könnte es anders sein, die Werke von Thassilo Zöpf, einem der begabtesten „Stukkatoren“ des Rokoko und die Figuren der Altäre von Franz Xaver Schmädl .
Auch können wir uns an der Übersetzung des in  Stein gehauenen „Wessobrunner Gebetes“ versuchen.

Garmisch-Partenkirchen
Seit den Olympischen  Winterspielen 1936 ist der Wintersport- und Luftkurort weltbekannt. Ein Skistadion mit Sprungschanzen (jedes Jahr findet hier das Neujahrs-Springen statt) und ein Eisstadion,  Bergbahnen und Skilifte, etc. etc. 300 km Wanderwege, und und und. Der größte Markt Bayerns fügte sich 1935 aus den beiden Dörfern Garmisch – an der Loisach – und Partenkirchen – an der Partnach – zusammen.
Damit wir keine Entzugserscheinungen bei den Kirchen bekommen, auch hier gibt es zwei sehenswerte: die alte gotische Pfarrkirche St. Martin mit bedeutenden Wandfresken und die Wallfahrtskirche in St. Anton in Partenkirchen.

Für mich ist ein Besuch in dem Ort mit weltmännischen Flair, schönen Geschäften  aber auch mit Idylle – Kühe, die im Sommer durch den Ort getrieben werden – Lüftlmalerei, Pferdekutschfahrten , jedesmal ein „Muß“ aus verschiedenen Gründen.
Einmal, weil Garmisch-Partenkirchen halt so schön ist, weil es sich wunderbar wandern läßt z.B.

Kramerplateauweg bis zum Pflegersee,

oder um den Riessersee,

oder mit der Bergbahn auf den Sonnenberg Wank und dann wandern bergab,

oder mit der Gondel auf’s Kreuzeck um dann durch das Höllental abzusteigen,

oder 5 Stunden durch das Bernadaiental und die wildromantische Partnach-    klamm nach Partenkirchen.

Zum anderen, weil wir hierin ganz besonderer Atmosphäre im Italienischen Weindepot in Partenkirchen bei Gerardo und seiner Frau Eva sehr guten italienischen Wein kaufen können und kleine, feine Leckereien dazu.

Sollten wir die Garmisch-Fahrt nicht mit einer Wanderung verbinden wollen, keine Kirche besichtigen wollen, so könnten wir – rein theoretisch – eine Rundfahrt durch einen Teil des wunderschönen Oberbayerns machen.

Garmisch-Partenkirchen – Mittenwald – Walchensee – Kochel – Glentleiten

Auf dem Weg rechts ab liegt Schloß Elmau. Dies wäre einen eigenen Besuch wert, zum Wandern oder wenn wir Glück  haben, fällt in die Zeit des Aufenthaltes ein Konzert.

Mittenwald
Der idyllische Markt – bekannt durch seine mit Lüftlmalerei verzierten Häuser und als „Geigendorf“  in den Matthias Klotz, ein Amati-Schüler 1685 das Geigenbauhandwerk einführte.
Der barocke Turm der 1736 – 1746 vom Wessobrunner Meister Josef Schmuzer erbauten und „stukkierten“ Pfarrkirche St. Peter und Paul ist das Wahrzeichen
des Ortes.
Von Mittenwald führt uns die Fahrt am grünen, malerisch in die Bergwelt eingebetteten Walchensee vorbei. Der 200 m tiefe See wirkt ein wenig unheimlich. Der Legende nach soll ein riesiger Waller darin schwimmen – ähnlich dem Ungeheuer von Loch Ness. Die eigenartige Fjord-Landschaft hat der Maler Lovis Corinth in seinen Gemälden  eingefangen.
Das 200Meter-Gefälle zwischen Walchensee und Kochelsee nutzt das Walchseekraftwerk am Südufer des Kochelsees mit 9 (?) dicken Rohren.
Auf der kurvenreichen Kesselbergstraße schrauben wir uns nach Kochel hinunter.

Kochel
Bevor  wir in den Ort einfahren lohnt sich der Besuch des Franz Marc Museums.
Der Künster hat hier gelebt, gearbeitet und seine letzte Ruhe gefunden.
Wie bekannt, gründete er mit Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und anderen Künstlern  1911 den „Blauen Reiter“.
In der Mitte des Ortes erinnert uns ein trutziges Denkmal an den „Schmied von Kochel“, eine Art bayerischer Wilhelm Tell. Er kämpfte Weihnachten                  1705 mit den bayerischen Bauern gegen die österreichischen Besatzer im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) und wollte die Landeshauptstadt München befreien. Sie trafen jedoch auf eine feindliche Übermacht und in dem als „Mordweihnacht von Sendling“ bekanntgewordenen Gemetzel verloren 1031 Bauern ihr Leben. Bis zuletzt soll der „Schmied von Kochel“ die Fahne hoch gehalten haben.

Glentleiten
Sollten wir noch Zeit und Kraft haben, lockt bei Großweil das sehenswerte Freilichtmuseum Glentleiten.
Viele bäuerliche Gebäude und  Werkstätten, die original mit Möbeln und Gerätschaften ausgestattet sind, zeigen die Wohn- und Arbeitsweise früherer Jahrhunderte.

Auf dem Heimweg kommen wir noch am Gestüt Schwaiganger vorbei, das Gegenstück zu Warendorf. Wer stattliche Pferde bewundern will, ist hier richtig.

Noch Vorschläge für die Tagesgestaltung?

Weilheim – Ammersee – Andechs
Weilheim, die kleine Stadt an der Ammer liegt im Mittelpunkt des Pfaffenwinkels. Der Marienplatz mit der Mariensäule von Ignaz Egler (1698) hat seine alte Geschlossenheit bewahrt. Zu den wenigen erhaltenen frühbarocken Bauwerken Bayerns gehört die Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt.
Fast könnte man annehmen, wir wandern auf den Spuren von Franz Xaver Schmädl aus Weilheim. Denn auch hier erstellte er den Rokokotabernakel.
Hat man Freude an frühen Fresken, sollte man die Friedhofskirche St. Salvator und St. Sebastian auf dem Betberg besuchen.

Ammersee
Einfach nur drumherumfahren geht, aber wir können auch in Diessen Halt machen, denn Diessen ist sehenswert; natürlich gibt es auch hier eine großartige Rokokokirche, die reichen „Stukkaturen“ schufen die Wessobrunner Künstler Franz Xaver Schmuzer und Johann Michael Feichtmayer und Johann Georg Üblher, auch ein Altargemälde von Tiepolo ist zu sehen. Hier lebte der Komponist Carl Orff, er ist in Andechs begraben.

Andechs
Was interessiert mehr? Kirche oder Biergarten?
Der beherrschende Blickpunkt über dem Ammersee ist der „Heilige Berg“ mit dem Koster Andechs. Bereits 1132 begannen die Grafen von Andechs mit dem Bau einer Burg und einer Kirche. Sie waren ein frommes Geschlecht, aus dem Bischöfe, Äbte und 17 Heilige und Selige hervorgingen.
Die Andechser starben 1248 aus. Ehe sie ihre Burg zerstörten – sie sollte nicht in die Hände der Wittelsbacher fallen, vergruben sie den „Schatz von Andechs“ unter der Burgkapelle. Dieser Reliquienschatz, ein Stück Holz vom Kreuz Christi, die Hälfte des Schweißtuchs Jesu und ein Stück aus der Dornenkrone brachten die Andechser Grafen von ihren Kreuzzügen mit. Die größte Kostbarkeit sind die Drei Hostien, die der hl. Rasso im 10. Jahrhundert aus dem Heiligen Land mitgebracht haben soll. 1388 wurde dieser Schatz auf wundersame Weise – der Legende nach durch eine Maus – wiederentdeckt.
Das Innere der Kirche lebt von dem prächtigen Stuck und den leuchtenden Fresken des Johann Baptist Zimmermann. In der Heiligen Kapelle wird die Dreihostienmonstranz aufbewahrt und die Reste des Reliquienschatzes.

Wie es die Ordensregel des heiligen Benedikts verlangt, haben die Mönche ihr Leben auf dem Heiligen Berg der Arbeit gewidmet. Sie brauen ein weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekanntes Bier. Im Braustüberl und im Klosterbiergarten enden dann auch nach gutem alten Brauch die Wallfahrten, bei schäumendem Bier, würzigen Klosterkäs, deftiger Brotzeit und unnachahmlich guten Schweinshaxen.

Was  wir noch besichtigen können, nur noch in Stichworten:

Polling
Die Gründung der Stiftskirche geht auf das Jahr 750 zurück und wiederum nach einer Legende entstand das Ursprungskloster an der Stelle, wo Herzog Tassilo III. bei der Jagd von einer Hirschkuh auf ein vergrabenes Holzkreuz hingewiesen wurde. Dieses „Tassilokreuz“ ist das durch Jahrhunderte verehrte Gnadenbild des Hochaltars, ein Kreuz aus vergoldeter bemalter Pferdehaut.
In der ehemaligen Stiftskirche vereinen sich Romanik, Gotik, Barock und Rokoko in einem wunderbaren Einklang. Leider kann alles nur durch ein Gitter besichtigt werden.

Benediktbeuern
Ein beschaulicher Ort mit schönen Bauernhäuser und dem um 740 gegründeten Kloster, ist dies eines der ältesten Klöster im oberbayerischen Voralpenland. Die Klosterkirche ist ein noch deutlich italienisch beeinflußter früher Barockbau (Kaspar Feichtmayr) mit Fresken des hier geborenen Hans Georg Asam, dem Vater von Cosmas Damian und Egid Quirin Asam. Johann Baptist Zimmermann gestaltete um 1739 den Festsaal.
Nach der Säkularisation 1803 nutzte man einen Teil des Konventsgebäudes als Glashütte, die heutige „Fraunhofer-Gedenkstätte“.
Im 13. Jahrhundert wurden hier die berühmten „Carmina Burana“ aufgezeichnet, weltliche, mitunter frivole Lieder – die Vertonung erfolgte 1936 durch Carl Orff.
Mit ein bißchen Glück findet während der Zeit des Aufenthaltes ein Konzert entweder in der Basilika oder im Barocksaal statt.

Bad Tölz
Natürlich ist Tölz durch die Flöße bekannt, die früher täglich auf der Isar von Tölz nach München und sogar nach Wien Ware transportierten. Z.B. Holzstämme – 2000 für den Bau der Frauenkirche in München – aber auch  Seide, Wein, Südfrüchte sowie  Kreide, Pech und Holzkohle. Heute dienen die Floßfahrten von Tölz nach München nur noch der feucht-nassen-Gaudi.
Bekannt  auch durch den Tölzer-Knabenchor, das Alpamare – eine Badespaß-Anlage, besonders bei schlechtem Wetter zu empfehlen – die Leonhardifahrt im November, das Kurviertel und eine Marktstraße, die von prachtvollen, bemalten Hausfassaden flankiert ist und schöne Geschäfte aufweist.

Kirchen gibt es natürlich auch, die spätgotischen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt und in der barocken „Mühlfeldkirche“ Mariahilf hat mal wieder der Künstler Josef Schmuzer gewirkt.

Landsberg am Lech
Ist sicher einen Besuch wert.
Vom Bayertor sollten wir an der Stadtbefestiung entlang über den „Schönen Turm“ – der auch „Schmalzturm“ genannt wird, da hier die Bauern ihr Schweinernes verkauften – zum Hauptplatz schlendern. Nur so bekommen wir wohl einen Überblick über die reiche Staffelung und Vielfalt dieser Stadt.
Die Große Kreisstadt verdankt ihre Entstehung der Lage an einem alten Handelsweg zwischen München und dem Bodenseeraum, war begünstigt durch den Salzhandel und einem blühenden Textilgewerbe.
Von 1716 – 1757 lebte hier der  1685 in Wessobrunn geborene große Barockbaumeister Dominikus Zimmermann und war hier sogar Bürgermeister. So verwundert es nicht, daß die Stuckfassade am Rathaus  – sie zählt heute zu den schönsten ihrer Art in ganz Bayern –  von ihm gestaltet wurde und daß es kaum eine Kirche gibt, an der er nicht mitgewirkt hat.
Auch Joseph Schmuzer, der uns in den vergangenen Tagen mehrfach begegnete, wirkte in der Kirche Mariä Himmelfahrt.
Nach seinem erfolglosen Putsch vom November 1923 saß Adolf Hitler 1923/1924 in der Festungshaftanstalt und schrieb „Mein Kampf“.

Füssen
Könnten wir im Zusammenhang mit dem Besuch des Musicals „Ludwig II“ besichtigen.
Die bereits zum Ostallgäu gehörende ehemalige fürstbischöfliche Residenzstadt ist heute Kneippkurort, Mineral- und Moorheilbad.
Der Reiseführer sagt, wer Füssen noch nie gesehen hat, sollte sich ihr  so nähern, daß sie sich gleich von ihrer allerbesten Seite zeigen kann. Das ist zweifellos die Anfahrt über die B 17 aus Richtung Schongau. Kurz vor der Einfahrt in die Stadt, auf der Lechbrücke, haben wir einen Ausblick, der sicher zu den malerischsten gehört, die man in ganz Deutschland haben kann. Das historische Stadtbild wird überragt vom „Hohen Schloß“ der Augsburger Fürstbischöfe (1332).
Füssen ging aus der römischen Station „Foetibus“ hervor. Im Jahre 746 gründete der irische Mönch Magnus eine Missionsstation, aus der sich im 9. Jh. ein Benediktinerkloster entwickelte.
Hauptsehenswürdigkeiten sind das „Hohe Schloß“ mit der Staatsgalerie, einer Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und die ehemalige Klosterkirche St. Mang mit frühromanischer Krypta und Fresken-Fragmenten des frühen 11. Jh. In der St. Anna-Kapelle können wir das Gruseln lernen, wenn wir den berühmten Totentanz anschauen. Geradezu gesellschaftskritisch mutet die Bilderfolge Jokob Hiebelers im schummrigen Licht des alten Gewölbes an, das eine knarrende alte Tür von der betriebsamen Stadt trennt. „sag ja sag nein, getanzt muess sein“, und damit nimmt der Tod alle mit sich, Prälat, Kaufmann, Dame, Kind und auch Hexe, ohne Ansehen des Standes. Die Bildfolge lehnt sich zum Teil an Holbeins Baseler Totentanz an.
In der Frauenkirche am Berge am Fuße des Kalvarienberges, jenseits des Lechs, begegnen wir wieder dem Baumeister Johann Schmuzer, der uns inzwischen nicht mehr fremd ist.

Schloß Hohenschwangau und Neuschwanstein
Diese beiden Schlösser müssen sicher nicht weiter beschrieben werden.
Maximilian II. – Ludwigs Vater – ließ 1832 in der wildromantischen Gegend zwischen Füssen und dem Bannwaldsee, in der die Ruinen von drei Stauferburgen aus dem 12. Jh. liegen, das Bergschloß Hohenschwangau errichten. Moritz von Schwind malte die Fresken. Ludwig II. verbrachte die meiste Zeit seines jungen Lebens.

Neuschwanstein
Nach einem Besuch auf der Wartburg 1867 entschloß sich Ludwig II. ein Schloß im Stile der alten deutschen Ritterburgen errichten zu lassen. 17 Jahre wurde an dieser Gralsburg gebaut, fertiggestellt wurde sie nie, denn von hier wurde der von einer Regierungskommission für geisteskrank erklärte König abgeholt und nach Schloß Berg gebracht, wo er drei Tage später, zusammen mit seinem Arzt, im Starnberger See „ertrunken wurde“.
Aber über das Leben vom „Kini“ werden wir sicher im Musical hinreichend aufgeklärt.

Genug Städte, Märkte, Dörfer, Kirchen?

München
Bildet sicher noch eine Ausnahme, ein Tag München ist sicher „drin“.

Aber wir können auch wandern:

Garmisch habe ich schon angesprochen.

Oberammergau
bietet 2 Berge: Den Laber und den Kolben.
Auf den Kolbensattel führt ein bequemer Sessellift und eine gemächliche Tour führt bergab zur (sehr empfehlenswerten) Schleifmühle.
Für Konditionsstarke könnte ein Abstecher auf den Pürschling führen, während die Anderen bereits in der Schleifmühle einkehren.
Bad Kohlgrub, obwohl wesentlich bekannter für sein Moor als Bayersoien hat als Attraktion die Bergbahn aufs „Hörnle“, von dort läßt es sich bequem abwärts wandern

Von Bad Bayersoien gibt es viele Wandermöglichkeiten.
Eine schöne wäre z.B. zu den Schleierfällen, eine andere zur Halbammer,
Rundwege um den Ort, nach Bad Kohlgrub und, und, und

Von Polling könnten wir an der Ammer entlang ein Stück den Prälatenweg  – von Marktoberdorf – Kochel a.See -wandern

Der König-Ludwig-Wanderweg – von Starnberg bis Füssen – bietet sich ebenfalls an, ein Stück erwandert zu werden.

Der Lech-Höhenweg – Landsberg a.Lech – Füssen – ist sicher auch nicht uninteressant.

Das Osterseengebiet mit Fohnsee ist äußerst reizvoll und lädt bei schönem Wetter auch in den Moorseen zum Baden ein und in Iffeldorf gibt es gute Einkehrmöglichkeiten.

Sollten wir doch Fahrradfahren wollen, Frau Schaumeier, unsere Vermieterin, eine „große Radlerin“ gibt uns sicher viele Tipps.
Die Umradlung des Starnberger Sees könnte eine Variante sein und sollte unsere Kondition nicht mitspielen, bietet sich die Rückfahrt von Starnberg nach Seeshaupt, unserem vermutlichen Startpunkt an.

Spielt jetzt noch das Wetter und die Gesundheit mit, müßte es uns gut gehen, denn wir können uns auch noch im Nebenhaus „Anna“ in der Altbayerischen Badestube im Re-Vital-Schwebebad  mit den diversen Bädern verwöhnen lassen.

Sie sehen, bisher hat man sich ganz auf’s Kulturen, Kuren und Sportlern verlegt; es sind Knieschoner für die Kirchen, Augentropfen für die vielen Besichtigungen sowie Hirschtalg für die wunden Füße angesagt.

Glücklicherweise kann ich, der für den vorhergehenden Text nicht verantwortlich zeichnet, auch noch etwas nicht  unwesentliches beitragen:
In der Gegend kann man auch vorzüglich „Restaurieren“ (oder wie heißt das, wenn man sich in Restaurants verwöhnen läßt?).
„Haute Cuisine“ ist da nicht unbedingt zu erwarten, aber vorzügliche bayerische Küche. Mal im schlichten Bauerngasthof oder auch touristisch verfeinert.
In unmittelbarer Nähe gibt es in Unterammergau die schon erwähnte Schleifmühle und – noch näher – in Saulgrub das Gasthaus „Kargel“ in welchem im Frühjahr ganz sicher wieder „Bärlauchwochen“ stattfinden. Ich selbst habe dort nur das Problem der Qual der Wahl.
Auf den „Heiligen Berg“ gehen schlichte Touristen, um die Kirche zu besichtigen, Bayern und „gestandene Mannsleut“ gehen dorthin auf eine (?) Maß und eine Haxn.
Eine schlichte (?) Brotzeit – so ganz unter uns –  ist ja auch nicht zu verachten – und nur in der TV-Werbung wird da mit Milch, Müsli und Nutella so ein riesiger Unsinn verbreitet !

Auszug aus dem Internet:

Bayersoien war in früher Zeit die römische Station, „Ad Seun“ bei den Seen ( 15 vor Chr.). Zahlreiche keltische Funde sprechen dafür, dass Ort und Name wahrscheinlich keltischen Ursprungs sein dürften. Später hieß der Ort Sewen, Sevn und Soyen. Und seit dem Jahr 1808 Bayersoyen und seit 1825 Bayersoien.

In der Römerzeit führte eine Straße, genannt „Via Claudia“ vom Brenner über „Parthanum“ (Partenkirchen), „Cofeliacus“ (Oberammergau) und über, „Ad Seun“ (Bayersoien) nach „Augusta Vindelikorum“, dem heutigen Augsburg. Die römische Weststraße „Vindelikerstraße“ führte von Salzburg über Murnau, Sulgrain ( Saulgrub ) und ebenfalls über Bayersoien nach Kempten. Im Mittelalter und später war dies die Rottstraße von Venedig nach Augsburg – es war die obere Salzstraße.

Ende 4. Jahrhunderts gaben die Römer das Land auf. Um 535 breiteten sich die Bayuwaren hier aus und bald begann auch der christliche Glaube von Kloster Staffelsee aus an Boden.

Bereits Anfang des 9. Jahrhundert stand in Bayersoien eine dem Hl. Georg geweihte Kirche. Sie fiel dem Ungarnsturm 835/855 zum Opfer. Noch im 13. Jahrhundert wurden die Verstorbenen aus Kohlgrub, und die von Saulgrub bis zum 16. Jahrhundert, auf dem Friedhof von Bayersoien beigesetzt.

1055 verpfändete Welf Heinrich 4.000 Hufen Land in Ammergau an den Kaiser. Der Ammergau erstreckte sich bis 1803 von Farchant bis zur Brücke bei Echelsbach. 1167 wird Bayersoien das erstemal urkundlich erwähnt, als Welf VI. unter anderem zwei Höfe in Soien an das Stift in Kempten verschenkte. Kloster Rottenbuch erwarb 1275 um 70 Pfund neuer Augsburger Pfennige diese Besitzungen im Ammergau. Nach Salbuch Ludwig des Strengen (1275) hatten sechs Güter „Sewn“ und je zwei „Ächlpach, Swend und Sumerhöfen“ als herzoglich bayer. Kammergüter jährlich je fünf Schillinge, 13 Metzen Hafer und ein Lamm an das Herzogl. Amt zu liefern; ein Gut in „Lettenbühl“ hatte außerdem noch die Erträge eines dem Kloster gehörenden Weinberges aus Lana bei Bozen zu fahren (1295).

Diese 12 Höfe waren früher auch welfischer Besitz, aber sie sind dann an Kaiser Rotbart verkauft worden. Somit kamen sie 1191 in den Besitz der Hohenstaufen. Von Konradin, dem letzten Hohenstaufen, erbte sie 1268 Ludwig der Strenge (Wittelsbach). Sie waren Bestandteil des Stiftungsgutes, womit 1330 Kaiser Ludwig der Bayer sein neues Kloster Ettal (Ödtal) ausstattete. Mit der Schenkung erhielten die Einwohner des Ammergaues das Erbrecht und alle Rechte freier, nicht leibeigener Leute und ihre Selbstverwaltung.

Vom Markgrafen Ludwig von Brandenburg erhielt Ettal auch die Gerichtsbarkeit über den Ammergau und das Monopol der Warenführung – das Rottfuhrrecht. Alle Güter, die von Venedig nach Augsburg oder umgekehrt gingen, durften nur von Ammergauern transportiert werden. An der Brücke von Echelsbach stand ein großer Umschlag- bzw. Zollstadel. Es hatte sich hier aus dem Verkehr ein eigenes Gewerbe gebildet – das durch Jahrhunderte verbriefte Rottrecht mit der Verpflichtung zu Vorspanndiensten.

1431 Recht der Salzniederlage (Salzstadel bei Landes ). Das Salz wurde in Murnau geholt und nach Steingaden bzw. Augsburg befördert. Die Straße von der Brücke bei Echelsbach bis zum Wasserschapfen musste von Soien unterhalten werden. In den Sandsteinbrüchen von Echelsbach wurde das Baumaterial für das Kloster Ettal gewonnen.

Saulgrub gehörte bis 1803 zu Soien, ebenso einige Höfe in Schönberg. Zur Zeit der Klosteraufhebung, 1803, besaß Ettal in Soien 53 Zinslehen, 2 Fischlehen, 3 Steinlehen, 3 Gasthöfe (Hospizen) und einen Weingasthof. Außerdem hatte es in Soien am Ufer der Seen ein stattliches Haus – die Seeburg; bis ins 18. Jahrhundert diente es den Ritterzöglingen als Ferienaufenthalt. Nach dem Klosterbrand 1744 war es Aufenthaltsort, später bis 1803 Urlaubsort der Ettaler Klosterherren. Im Jahre 1805 wurde der obere See abgelassen.

Kulturelles:
1315 wird in der Pfarrei „Amergaw“ die Filialkirche „Sevn“ erwähnt. Das Patronatsrecht hatte von 1316 – 1803 das Kloster Rottenbuch. 1517 erfolgte die Erhebung zur selbstständigen Pfarrei. Zu dieser Zeit war Soyen durch die Aufteilung von Höfen (Söldner) und Ansiedlung von Handwerkern, Steinmetzen und Rottfuhrleuten ( 4 Schmiede) bereits ein stattlicher Ort mit 530 Einwohnern geworden. 1717 wurde die gotische Kirche durch ein barockes Stift vergrößert. Seit 1637 besteht in Soyen eine Schule. Nach Aufhebung der Klöster 1803 verarmte das Dorf. 1808 erhielt es von König Max I. den Status einer selbständigen, politischen Gemeinde und wurde dem Landkreis Schongau zugeteilt.

Krieg- und Notzeiten:
Durch seine Lage an der Nord-, Süd-, Heerstraße hatte Soien immer wieder durch Kriegszüge zu leiden: Ende des 4. Jahrhundert Rückzug der Römer; 909, 935, 955 Ungarneinfälle; Investiturstreit 1077/78; Kreuzzug 1147. Der Bauernkrieg 1525 kam nur bis Steingaden, die hiesigen Bauern hielten dem Abt und dem bayer. Herzog die Treue (Schwur auf dem Peißenberg). Im 30-jährigen Krieg 1612/48 waren schwedische und kaiserliche Truppen mordend und brandschatzend im Land. Am 19.09.1703 plünderten kaiserliche Husaren Kirche und Dorf. Die Soier, denen Ober- , Unterammergauer und Kohlgruber zu Hilfe eilten, trieben sie wieder über die Ammer zurück. Hierbei taten sich „Soierinnen in Mannskleidern“ rühmlich hervor.

1705: preußische Truppen in Soien. 1740: 300 Österreicher im Winterlager auf Kosten des Dorfes. 1743: 100 Panduren die das gesamte Vieh wegtrieben.

In der französischen Revolution: Durchzug von 11.000 Mann, die alles ausraubten. 1799 wurde die Ammerbrücke unpassierbar gemacht. Von 1800 bis 1813 zogen Tausende von Franzosen durch das Land. 1809 fielen 4.000 Tiroler ein. Immer mussten die Bewohner für Essen und Futter aufkommen. Die Kriegskosten für die 1810 durchziehenden napoleonischen Truppen betrugen 10.000 Gulden.

15 Männer aus Soien mussten 1812 am Feldzug gegen Russland teilnehmen. 9 davon sind gefallen. 1866 sind sieben, 1870/71 zweiundzwanzig Mann ausgezogen – 4 davon sind gefallen. Im Krieg 1914/18 fielen von 120 Männern 20. 1939/45 kehrten von 160 Männern 41 nicht mehr zurück. Am 29.04.1945 besetzten amerikanische Truppen den Ort. Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Bevölkerung durch die Aufnahme von Vertriebenen und von Flüchtlingen aus dem deutschen Osten um 1/3 zu.

Zusammengestellt von Hans Greinwald Bayersoien.
(c) Gemeinde Bad Bayersoien
Design und Inhalt: RJ-EDV

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