Unterwegs in Deutschland

Deutschlands höchster Berg die Zugspitze 2962 m

Auf den Spuren des Leutnants Josef Naus, der im Auftrag des „königlich-bayrischen topografischen Bureaus“ offiziell als Erstbesteiger der Zugspitze (27.8.1820) gilt, wollten wir die Zugspitze besteigen.

Aufstieg auf die Zugspitze von Garmisch aus sollte es im Sommer 2011 sein. Diese Idee wurde  während der jährlichen Ski-Auszeit mit meinen  Kinder im Zugspitzgebiet geboren.

Dann jedoch fiel mir das Buch von Walter Pause „Wandern bergab“ in die Hände und der Plan änderte sich. So wurde es letztlich vom 23. – 24. Juli 2011 der Abstieg von der Zugspitze nach Garmisch.

Wanderwegstrecke in zwei Etappen:

Samstag: Sonn-Alpin (2600 m) bis zur Reintalangerhütte (1367m) über die Knorrhütte (2052 m) reine Gehzeit 3 1/4 Stunden
Sonntag: Reintalangerhütte – Partnach-Klamm – Garmisch – Hotel Staudacherhof  4 1/2 Stunden

Samstag, 23. Juli 2011

In 20 Minuten gehen wir von unserem Hotel, dem Staudacherhof, zum Zugspitzbahnhof.
Um 9.15 Uhr fährt die Zugspitzbahn ab. Kostenpunkt für eine einfache Fahrt: 27.- Euro.
Die Kartenverkäuferin gibt uns schon zu bedenken, ob wir bei diesem Wetter die Tour überhaupt starten wollen.
Da wir vorhaben, vom Schneefernerhaus zum Gipfelkreuz  aufzusteigen, steigen wir am Eibsee in die Gondel um, die um 10 Uhr mit noch zwei weiteren Passagieren startet.
Leider haben wir unsere Planung ohne das Wetter gemacht: Null Sicht, es schneit und die Leiter, die zum Gipfelkreuz hochführt, ist verschneit und eisig, also: zu gefährlich. Daher wurde also vom Gipfelaufstieg schon mal nichts.
Weiter war der Abstieg zum Zugspitzplatt, Sonn Alpin  (2567 m) geplant, jedoch zuviel Schnee! Also wieder: zu gefährlich. Wir müssen umplanen und mit der Gondel dorthin abfahren.
Schneegestöber auch dort. Keine Ausschilderung zur Knorrhütte oder zur Reintalangerhütte. Die Auskunft des Führers für eine geplante Gletscherwanderung, die aufgrund der Wetterverhältnisse im Raume statt fand, lautet lapidar: „Um’s Gebäude herum und unter dem Sonn-Alpin Lift durch, dann immer runter. Ihr werdet sicher Spuren im Schnee finden, denn es ist schon eine Gruppe hochgekommen.“
Na, dann mal Mut: Mütze und Kapuze auf, Reißverschluss der Wanderjacke zu, Handschuhe an  und los geht es um 11 Uhr vom Maibaum aus abwärts. Wie empfohlen: Am Gebäude vorbei, unter dem Lift durch und abwärts. Das erste Stück ist uns von der Skiabfahrt im Januar her bekannt. Jedoch, wir kommen uns wie Pfadfinder vor: Hier sehen wir Stockeinsätze und Fußstapfen im Schnee, weiter unten kann man so gar mal einen schmalen Trampelpfad ausmachen und  nach ca. 20 Minuten stoßen wir auf eine weiß-rot-weiß Markierung am Felsen, der zum Glück nicht zugeschneit ist. Nebelschwaden umwabern uns, Sicht gleich Null. Ha, kaum fünf Minuten später ein dicker Steinhaufen mit der bekannten Markierung. Wir sind  richtig. Ein beruhigendes Gefühl.
Die Schneegrenze haben wir inzwischen auch erreicht und da wir keine Weitsicht haben, erfreuen wir uns an den klitzekleinen Blümchen und dem bisschen Grün, das zwischen den Felsen und Steinen hervorlugt. Wir bewegen uns in dem gerölligen Karstgebiet des Gletschers und nun werden die markierten Steinhaufen von rotgestrichenen Stangen gekrönt, die aus dem Schnee herausragen sollen.
Ein nettes Erlebnis haben wir: Eine Wachtelmutter mit ihren Kleinen kreuzt mehrfach unseren Weg. Bergdohlen und uns unbekannte Vögelchen trotzen der Kälte und das Gebimmel – keine Kuhglocken –  sondern Glocken einer Herde Schafe begleitet uns. Und ein Blick in eine Gletscherspalte.
Nach einer Stunde zwanzig Minuten erreichen wir bereits im sehr steilen Abstieg zur Knorrhütte den Abzweig zum Jubiläumsgrad.
Uns kommt eine Gruppe Wanderer entgegen, die bereits sehr erschöpft ist und sich zum Teil auf allen Vieren aufwärts bewegt. Eine Teilnehmerin schwört: „Beim nächsten Mal nur mit Stöcken“. Durch die Nässe ist es äußerst rutschig und glitschig. Jeder Tritt will sorgfältig gesetzt werden, zudem tappen wir in den Wolken. Die Knorrhütte, die wir 10 Minuten später erreichen, können wir erst ausmachen, als wir unmittelbar davor stehen.
Die Hütte liegt auf 2052 m am Abbruch des Zugspitzplatts und ist eine Schutzhütte der Kategorie I des Deutschen Alpenvereins, Sektion München. Die Hütte wurde 1855 Dank einer Spende des Kaufmanns Angelo Knorr erbaut.

Bis hierher haben wir – trotz der widrigen Umstände und Photografiererei  – die angesetzte Zeit von Einer Stunde 30 Minuten eingehalten.
Schnee, Regen, Nebel oder Wolken und ein versehentliches Aufblitzen von Sonne waren unsere Begleiter.
Eine kräftige, gute Nudelsuppe wärmt uns in der Hütte wieder auf und wir denken an meine Eltern, die hier vor rund 70 Jahren bei ihrem Aufstieg auf die Zugspitze genächtigt haben.
35 Minuten Pause gönnen wir uns, justieren unsere Stöcke neu und weiter geht es sehr steil und rutschig bergab. Tritt für Tritt will ausgesucht werden.
Nach 20 Minuten erreichen wir bei 1838 Metern die Latschengrenze.
Und wir machen noch Almrausch aus, der – zum Glück – mit Verspätung blüht. Inzwischen regnet es heftig, so dass die Regenmäntel ausgepackt und über den Rucksack gezurrt werden müssen. Hin und wieder kann man eine markante Felswand ausmachen. Inzwischen ist es 14.30 Uhr und wir erreichen das Gebiet des „Oberer Anger“, ironischerweise als „Golfplatz“ tituliert. Wir denken, dass wir damit den steilsten Teil des Abstiegs hinter uns gebracht haben. Wir sind bei 1614 m angelangt.
Dieses Gebiet führt uns vor Augen, welche Wassermassen im Frühjahr zur Schneeschmelze hier herunterströmen. Wir balancieren über die Steine um halbwegs trockenen Fußes weiter zu kommen.
Hier unten lagert wieder eine Schafherde und ein überstehender Felsen bietet uns Regenschutz für unsere Apfelpause. Wir legen eine kurze Gedenkminute für den hier 1954 durch eine Lawine ums Leben gekommenen Martin Geißelhart ein, wie uns das Marterl aufklärt.
Von hier aus lässt es sich schnell und gut gehen, so dass wir bereits nach einer Viertelstunde die Reintalangerhütte – 1367 m – unser heutiges Ziel – erreichen.
Triefnass wie wir sind, schickt uns der Hüttenwirt Simon Neumann erst mal in den Trockenraum, dass wir aus den nassen Sachen herauskommen. Die letzte Leine ergattern wir und – sehr elegant – unsere Schlafanzughosen müssen einfach als salonfähig herhalten. Es gab jedoch noch skurilere Beinbekleidung als die unsere.
Nachdem wir unsere Schlafmarke in Höhe von 26.- Euro pro Kopf für’s  Zweibettzimmer und die Leihgebühr für den Baumwoll-Schlafsack in Höhe von 2.50 Euro bezahlt haben, davon wurde unsere Anzahlung von je 5.- Euro bei der Reservierung im Juni abgezogen, bekamen wir den Schlüssel für Zimmer Nr. 7. Ein kleines Zimmerchen mit Stockbett und Blick auf die rauschende Partnach und „den Partnach-Lido“ mit Liegestühlen und Sitzgelegenheiten. Eine schöne  Sache bei besserem Wetter.
Um einer Erkältung vorzubeugen, genehmigen wir uns erst mal einen Grog in der gemütlichen Gaststube und lesen.
Als gegen 16 Uhr dann doch tatsächlich der Regen eine Pause macht, nutze ich die Gunst der Stunde und gehe zum Ursprung der Partnach. Nach Angabe etwa eine halbe Stunde von der Hütte entfernt.
In 15 Minuten steige  ich zu den drei übereinander gelegenen Wasserfällen auf und habe so gar das riesige Glück: Sonnenschein!
Ein herrlicher Anblick: das Wasser stürzt sich in die Tiefe und wild rauschend geht es weiter.
Auf dem Rückweg zur Hütte regnet es schon wieder.
Etliche Wandergruppen sind inzwischen eingetrudelt und ab 18 Uhr gibt es Abendessen. Eine reiche Auswahl und sehr zivile Preise.
Um 21 Uhr lässt der Hüttenwirt mit vier Stücken auf dem Hackbrett gespielt und begleitet auf der Gitarre von einem Mitglied des Hüttenteams den Abend langsam ausklingen und verkündet: „Hüttenruhe ist um 22.30 Uhr und Wecken um 6 Uhr. Gute Nacht.“
Und tatsächlich, ab halb Elf wird es leiser und um 23 Uhr ist das letzte Lachen und das letzte Türenklappern zu hören. Und die Partnach rauscht.

 

Sonntag, 24. Juli 2011

Direkt vor unserer Türe hat sich Simon Neumann postiert und spielt um 6 Uhr morgens auf dem Akkordeon sanfte Melodien. Anschließend ertönt im Chor „Guten Morgen! Aufstehen!“
Da wir bereits wach sind, stehen wir auch sofort auf. Noch kein Gedränge im Waschraum und um 6.45 Uhr können wir uns bereits unser am Abend vorher bestelltes und bezahltes Frühstück abholen. Es ist für großen Hunger ausgelegt.
Um 7.30 Uhr machen wir uns an den Abstieg nach Garmisch.
Es regnet in Strömen. Aber unverdrossen marschieren wir über grobe Felsstücke – schlecht zu gehen. Dennoch erreichen wir nach einer Stunde 15 Minuten die Bockhütte. Eine erst 2011 neu erstellte Hütte, welche die 1930 erbaute Hütte ersetzt. Wir sind die ersten Gäste, legen eine Kaffeepause ein  und nach einer halben Stunde geht es weiter.
Wir wundern uns: Zahlreiche Wanderer in Sonntags-Tracht  kommen uns entgegen.
Ursula hat in der Hütte mitbekommen, dass heute hier oben der Abschiedsgottesdienst für den Ortspfarrer stattfindet. Wir bewundern, welchen Weg die Familien auf sich nehmen, denn immerhin erwarten uns noch 3 Stunden zu gehende Strecke.
Aber: Nach einer halben Stunde sind wir ganz enttäuscht: Wir kommen an die Forststraße im Stuibenwald und hier parken die Autos.
Es lässt sich nun forsch ausschreiten, rechter Hand begleitet uns nach wie vor die Partnach mit ihrem wilden Lauf und ihrem Rauschen, links strömen hin und wieder kleine Bächlein dazu. Immer mehr Wanderer begegnen uns und wir staunen, wie viele Leute doch bei schlechtem Wetter unterwegs sind. Werden doch nicht alle wie wir gerade an diesem Wochenende angereist sein, sondern sind sicher auch Einheimische dabei.
Hinweisschilder zeigen den Weg zur Partnach-Alm und zur Partnach-Klamm.
Kurz vor 11 Uhr gelangen wir an einen regelrechten Wanderknotenpunkt mit Infotafeln.
Wir gehen gerade aus weiter über eine Brücke, halten uns danach links, direkt an der Partnach entlang, um kurz darauf am Eingang der Partnach-Klamm anzukommen.
Massen belagern den Eingang, Massen kommen uns in der Klamm entgegen und so dunkel habe ich sie noch nie erlebt  – logisch, bei so einem Wetter bin ich auch noch nie durch die Klamm gegangen. Wir stellen uns vor, welch gigantische Menschenmassen bei schönem Wetter hier wären.
Aber wie immer: Die Klamm ist ein Erlebnis. Sie ist grandios! Wie sich die Partnach ihren Weg durch die Felsen „geschnitten“ hat ist bewundernswürdig. Und wir stellen uns bildlich vor, wie brillant es wäre, würde die Sonne scheinen.
Knappe halbe Stunde bis zum unteren Eingang, trotz vieler Aufnahmen. Mit der Kurkarte den ermäßigten Eintritt von 2 Euro bezahlt und dann vorbei an schönen, regennassen  Blumenwiesen und entgegenströmenden Menschenmengen in ca. 20 Minuten bis kurz vor das Skistadion. Hier biegen wir links ab und wandern nochmal gut 50 Minuten bis zum Hotel.
Freundlicher Empfang durch Lisa, die sich nach unseren Erlebnissen erkundigt und uns sofort von den schrecklichen Ereignissen in Norwegen unterrichtet und von Amy Winehouse Tod.
Da unsere Zimmer noch nicht fertig sind, erst mal im Foyer Zeitung lesen, zu Mittag essen und nach dem Zimmerbezug in die wunderbare Spa-Landschaft des Hotels, um in den diversen Saunen den kommenden Muskelkater zu bekämpfen.

 

Fazit:

Eine  Tour, die uns trotz der widrigen Witterungsverhältnisse gefallen hat, auch wenn jeglicher Ausblick auf die markanten Felsen ringsum verwehrt war.
Eine Tour, die sich bei guten Wetterbedingungen gut gehen lässt und in keinem Fall zu anstrengend ist.
Rein theoretisch ließe sie sich auch an einem Tag gehen, (dann mit der ersten Bahn um 8.15 Uhr ab Zugspitzbahnhof abfahren) aber dann bringt man sich um das Vergnügen, in der Reintalangerhütte zu nächtigen und die angenehme, harmonische Atmosphäre zu genießen, die das Hüttenteam mit Simon Neumann an der Spitze vermittelt.

Will man auf den Hütten übernachten:
Unbedingt anmelden:
Reintalangerhütte:Telefon: +49/8821/7089743, Pächter: Simon Neumann, Postfach 1643, 82456 Garmisch-Partenkirchen oder  www.alpenverein-muenchen-oberland.de/reintalangerhuette
Knorrhütte: Telefon: +49/8821/2905   www.alpenverein-muenchen-oberland.de/knorrhuette
Die Hütten sind von Mitte Mai bis Anfang Oktober geöffnet.

 

Text: Irmgard Roth      Fotos: Irmgard Roth / Ursula Szeltner

2 Kommentare zu “Deutschlands höchster Berg die Zugspitze 2962 m

  1. Margot v. Blücher

    Der Bericht hat mir sehr gut gefallen. Mutter und Tochter, ein gemeinsames Ziel, das bei Wind und Wetter eisern durchgezogen wird. Ein großes Lob den beiden Frauen. Garmisch, meine Geburtsstadt, eine Wanderung zum Nachahmen! Ich freue ich schon auf die nächste Beschreibung.

  2. Peter Staudacher

    Hallo liebe Frau Roth.

    Bewunderungswürdig nach dem widrigen Wetter von schöner Wanderung zu sprechen. Unsere Hochachtung habe Sie!

    Wir wünschen Ihnen beiden alles Liebe und Gute und auf ein gesundes Wiedersehen.

    Herzlichst Ihre Staudachers

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